Was Botox mit deinem Ausdruck macht

In einer Analyse schauen wir auf die Form. Proportionen, Konturen, das Verhältnis der Partien zueinander – das, was über Jahre gewachsen ist und bleibt.

Im Alltag begegnest du Menschen aber nicht über die Form. Du begegnest ihnen über die Bewegung. Und die läuft die ganze Zeit mit, ohne dass jemand sie bewusst steuert.

Was dein Gesicht mitspricht, ohne dass du es merkst

Beobachte dich einmal selbst, wenn du jemandem etwas erklärst.

Du ziehst die Stirn hoch. Du runzelst sie, wenn du merkst, dass es nicht ankommt. Am Ende des Satzes gehen die Brauen ein Stück nach oben, so als stünde da eine Frage: Verstehst du, was ich meine?

Niemand entscheidet das. Es passiert, während du sprichst, und es gehört zu dem, was der andere hört – auch wenn er es nie so nennen würde.

Was Botulinum tut

Botulinum entspannt den Nerv. Ist der Nerv entspannt, kommt der Befehl an den Muskel nicht mehr an, und der Muskel zieht sich nicht mehr zusammen.

Das ist der ganze Vorgang, und genau dafür wird es eingesetzt. Die Falte entsteht nicht mehr, weil die Bewegung nicht mehr stattfindet, die sie erzeugt hat.

Nur: dieselbe Bewegung hat nebenbei etwas gesagt.

Der Moment, in dem es auffällt

Du erklärst etwas, das dir wichtig ist, und die Stirn bleibt glatt.

Jemand erzählt einen wirklich guten Witz. Du lachst, du meinst es ernst – aber die obere Hälfte deines Gesichts bleibt, wo sie war.

Im Beruf des Schauspielers ist das offensichtlich, dort ist der Ausdruck das Werkzeug. Im Gespräch merkt es niemand so deutlich, und trotzdem wirkt es. Der andere spürt eine Lücke zwischen dem, was du sagst, und dem, was er sieht. Er kann sie nicht benennen. Aber er richtet sich danach.

Neue Resonanzmuster

Das ist der Punkt, um den es mir geht.

Menschen antworten nicht auf das, was du meinst. Sie antworten auf das, was bei ihnen ankommt. Wenn dein Gesicht signalisiert, dass du nicht ganz beteiligt bist, wird es schwerer, mit dem ernst genommen zu werden, was du sagst – und du wirst nie erfahren, warum.

Über die Jahre entstehen daraus andere Muster im Umgang mit dir. Nicht schlechtere Menschen um dich herum, nur andere Antworten.

Und was heißt das jetzt?

Nicht, dass du es lassen sollst. Das ist deine Entscheidung, und sie geht niemanden sonst etwas an.

Es heißt nur: Es ist keine reine Äußerlichkeit. Wo gespritzt wird, entscheidet mit, welcher Teil deines Ausdrucks weiter mitspricht und welcher nicht. Die Stirn und die Partie um die Augen tragen einen großen Teil davon.

Überleg dir also nicht nur, ob – sondern wo. Und lass dir von jemandem, der das versteht, sagen, was dabei verloren geht. Bevor es weg ist.

Klaus erzählt das Thema auch selbst, ausführlicher als hier.

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Was eine Charakteranalyse ist – und was sie nicht ist