Der ideale Partner – und die Frage, die dabei niemand stellt

Es ist lange her, fast zwanzig Jahre. Ich traf eine junge Frau, die sich sehr einen Partner wünschte. Sie war Single, sie suchte, und sie hatte – wie die meisten von uns – eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie der Richtige sein müsste.

Die Liste

Ich fragte sie, wie dieser ideale Partner denn sein solle. Nicht äußerlich. Charakterlich. Beschreib ihn mir mal.

Sie fand die Frage so gut, dass sie Papier holte und mitschrieb. Humor. Freude am Leben. Liebevoll. Er muss zuhören können. Er muss mit beiden Beinen im Leben stehen. Die Liste wurde länger, und sie wurde dabei sichtlich glücklicher. Sie konnte sehr genau sagen, was sie wollte, und sie konnte es gut formulieren.

Das ist keine Kleinigkeit. Die meisten Menschen wissen erstaunlich genau, was sie bei einem anderen suchen.

Die Gegenfrage

Als sie fertig war, stellte ich nur eine Frage.

Was davon lebst du selbst?

Es wurde still. Sie ging ihre eigene Liste noch einmal durch, Punkt für Punkt, und stellte fest, dass sie nicht einmal die Hälfte davon lebte – von dem, was sie bei einem anderen Menschen selbstverständlich voraussetzte.

Dann sagte ich ihr den Satz, der ihr am meisten zu denken gab: Wenn du jemanden suchst, der all das mitbringt, und du selbst wenig davon einbringst, dann suchst du keinen Freund. Dann suchst du einen Entertainer.

Denn die Frage dreht sich in dem Moment um. Wenn dieser Mann tatsächlich alle diese Eigenschaften hätte – was hätte er dann gern von dir?

Die Nachricht, die seitdem jede Woche kommt

Seit gut zwanzig Jahren bekomme ich mindestens einmal pro Woche dieselbe Nachricht. Von Freunden, von Bekannten, über Empfehlungen. Sie geht ungefähr so:

Klaus, ich habe jemanden kennengelernt. Kannst du dir mal ein Foto ansehen, ob er zu mir passt?

Wer in der Humanmorphologie ausgebildet ist, kennt das. Wir werden damit überschüttet.

Manchmal sehe ich mir das Foto an und kann sagen: ja, das könnte gut zusammengehen. Die Freude darüber ist groß – meistens ist man ohnehin längst verliebt und wollte es nur bestätigt haben.

Und dann kommt der unbequeme Teil. Er mag zu dir passen. Aber die Frage ist eine andere.

Passt du zu ihm?

Eine Beziehung ist eine Wechselwirkung

Das ist der ganze Punkt. Eine Partnerschaft ist keine Auswahl, bei der einer geprüft wird und der andere prüft. Sie ist eine Wechselwirkung. Es muss für beide passen, sonst passt es für keinen – und zwar nicht nach drei Wochen, sondern nach drei Jahren.

Deshalb sage ich bei solchen Anfragen manchmal etwas, das niemand hören will: Die Zeit ist vielleicht noch nicht reif. Nicht weil mit dir etwas nicht stimmt, sondern weil dir noch eine Erfahrung fehlt, die du nur selbst machen kannst. Liebeskummer ist unangenehm, und er ist eine Schule. Wer sie hinter sich hat, erkennt den passenden Menschen überhaupt erst.

Die junge Frau von damals hat ihre Liste übrigens behalten. Sie hat nur angefangen, sie anders zu lesen – nicht als Anforderung an jemand anderen, sondern als Beschreibung dessen, wohin sie selbst wollte.

Das ist ein guter Anfang. Für die meisten ist es sogar der einzige.

Das Ganze auch als Video

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Wenn nicht der Mensch das Problem ist, sondern sein Tag

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Warum ich die Humanmorphologie entwickelt habe